Donnerstag, 21. März 2013

"Adieu, Sir Merivel" - Buchrezension


Titel: Adieu, Sir Merivel
Sprache: Deutsch
Autorin: Rose Tremain
ISBN-Nr. 9783458175636
Seitenzahl: 445
Format: Hardcover
Verlag: Suhrkamp Verlag
Preis: 19,95€
zu bestellen bei z.B. Amazon

Vielen Dank an bloggdeinbuch für die Möglichkeit das Buch zu testen.


Klappentext:
"Sir Merivel ist untröstlich. Er hat die Gunst des englischen Königs verloren, den er viele Jahre zum Lachen brachte. Statt aber auf seinem Landgut Trübsal zu blasen, macht sich der Lebemann auf nach Versailles, wo er die ungewöhnliche, unwiderstehliche Louise de Flamanville kennenlernt. Die Liebe seines Lebens,  glaubt er. Doch kann ein Mann darüber die Liebe zu seinem König vergessen?"




Eigene Beschreibung:

Die Hauptfigur in „Adieu, Sir Merivel“ ist Robert Merivel. Ein langsam in die Jahre gekommener Arzt, dessen Libido noch funktioniert, der aber anscheinend oft in Depressionen verfällt und seinem alten Leben hinterher trauert. Er lebt mit seiner Tochter und seinen Angestellten auf seinem Anwesen in Bidnold in England im 17. Jahrhundert. Er hat keine adeligen Vorfahren, sondern hat das Land und einen Loyer vom König Charles II zugesprochen bekommen, dessen hochgeliebten Hunden er seinerzeits geholfen hat und mit dem er seitdem eine Art Freundschaft pflegt. Eigentlich könnte er mit seinem Leben also zufrieden sein, ist es aber nicht. 

Anfangs schildert Merivel wie sein guter Diener Will, der mittlerweile schon fast zu alt und tattrig ist um seinen Beruf zu erfüllen, sein altes Tagebuch gefunden hat. Man erwartet ab dort lauter interessante Geschichten aus der Vergangenheit zu lesen, leider werden diese aber nicht wirklich erwähnt, sondern höchstens mal kurz in einer Erinnerung Merivels angeschnitten.

Als seine Tochter das Haus dann verlässt, um am Hofe des Königs zu leben, hält es Merivel nicht mehr zu Hause aus. Er holt sich ein Empfehlungsschreiben von Charles II ab und zieht los nach Versailles. Den gewünschten Job ergattert er da nicht, dafür aber den Rock einer holden Maid in die er glaubt sich unsterblich verliebt zu haben. Dummer Weise ist diese jedoch verheiratet, allerdings mit einem schwulen Offizier der Schweizer Garde. Die aufkommenden Konflikte und Verworrungen kann man nicht mal im geringsten erahnen ;)

Nach einer relativ kurzen Zeit kommt er so also nach England zurück, zusammen mit einem neuen "Haustier" an seiner Seite, welches er mal eben mit seiner Liebsten gerettet hat. Aber ist sie auch wirklich seine Liebste? Solche und andere Gedanken kreisen ab nun in seinem Kopf umher. Man hat es schon nicht leicht im Leben.

Merivel können wir in der Ich-Perspektive erleben, dadurch bekommen wir einen schönen Zugang zu seinen Gedanken und seinem Verhalten, was manchmal recht interessant ist da der Charakter auch sarkastische Züge hat und viel Selbstironie.


Eigene Bemerkung:

Im nachhinein habe ich erfahren, dass „Adieu, Sir Merivel“ eine Fortsetzung des Romans „Des Königs Narr“ ist, den Rose Tremain schon vor einigen Jahren veröffentlicht hat. Diesen Teil kannte ich auch noch nicht. Man braucht das Vorbuch nicht zwingendermaßen kennen, für mich persönlich hätte es die gesamte Geschichte und die Verbindung zum König jedoch  schlüssiger gemacht.

Leider finde ich den Klappentext völlig unpassend gewählt. Laut der Aussage habe ich einen richtigen historischen Roman erwartet. Einen Konflikt mit dem König mag es mal in Merivels Leben gegeben haben, dieser ist aber nicht wirklich Thema in der Geschichte.Die genannte Passage in Versailles macht auch nur einen recht kurzen Abschnitt im Buch aus, was ich sehr schade fand, da es für mich der interessanteste und humorvollste Teil des gesamten Werkes war.  Insgesamt könnte man das Buch eher als eine Art Midlife-Crises-Geschichte ansehen.

Die teilweise sehr vulgare Schreibweise hat mich wirklich gestört und vielleicht hätte von außen schon drauf hingewiesen werden sollen. Nicht das ich prüde bin, aber ich finde nicht, dass Teile dieses Buches unbedingt von Minderjährigen gelesen werden müssten.

Insgesamt plätschert die Geschichte so vor sich hin, wie gesagt fand ich die Story in Versailles wirklich interessant, der Rest las sich von der Geschichte so ganz gut, hat mich aber nicht wirklich gefesselt. Dies mag aber auch daran liegen, das ich einfach ein anderes Genre erwartet habe. So "softe" Männer wie Merivel und König Charles II bin ich aus anderen historischen Büchern einfach nicht gewohnt. Ich hätte es vielleicht gar nicht schlecht gefunden, wenn am Anfang des Buches eine kurze Aufstellung der Hauptcharaktere mit Beschreibung gestanden hätte, woraus man gleich gewusst hätte, dass dieser König wirklich nicht geeignet war für seine Herrscherrolle. So wirkte es für mich eher so, als hätte die Autorin "Frauenemotionen" auf Männer übertragen. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass Männer so denken, wie manchmal im Buch dargstellt. Das war mir ne Spur zu viel Kitsch.

Für die sehr schöne Gestaltung des Buchcovers, den interessanten Abschnitt in Versailles und die teilweise recht amüsante, sarkastische Art Merivels seine Umgebung zu beschreiben, gibts von mir









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